In industriellen Anwendungen sind Permanentmagnete keine Standardkomponenten. Ihr Verhalten unterliegt den Gesetzen der Physik, Materialwissenschaft und Systemintegration. In der Praxis werden Magnete jedoch häufig ausschließlich anhand ihrer Abmessungen und Nennzugkraft ausgewählt. Dies führt häufig zu Leistungseinbußen, vorzeitigem Ausfall oder unnötig hohen Kosten.
Bei Bakker Magnetics analysieren wir täglich magnetische Anwendungen in Bereichen wie Automatisierung, Maschinenbau, Energie und Mobilität. Aufgrund dieser Erfahrung beobachten wir immer wieder fünf strukturelle Fehler bei der Auswahl und Integration von Permanentmagneten.
Bewertung der Magnetkraft ohne Systemanalyse
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass die in einem Datenblatt angegebene Zugkraft der tatsächlichen Kraft in der Anwendung entspricht. In Wirklichkeit wird dieser Wert unter idealen Bedingungen gemessen: auf einer vollkommen ebenen, dicken Stahloberfläche ohne Luftspalt.
In der Praxis spielen folgende Faktoren eine Rolle:
- Luftspalte aufgrund von Toleranzen, Beschichtungen oder Klebeschichten
- Ein unvollständiger Magnetkreis
- Dynamische Belastungen (Vibrationen, Beschleunigungen)
- Scherkräfte statt reiner Zugkräfte
Selbst ein Luftspalt von nur wenigen Zehntelmillimetern kann die wirksame Kraft um mehrere zehn Prozent reduzieren.
Technische Empfehlung
- Analysieren Sie den Magnetkreis als Ganzes.
- Berechnen Sie die Sicherheitsfaktoren für dynamische Lasten.
- Verwenden Sie FEM-Simulationen oder praktische Tests, um die tatsächliche Kraft zu validieren.
Unzureichende Berücksichtigung von Temperatur und Entmagnetisierung
Jedes magnetische Material hat seinen eigenen Temperaturkoeffizienten und seine maximale Betriebstemperatur. Wird dieser Grenzwert überschritten, kommt es zu einer (teilweisen) Entmagnetisierung, die oft irreversibel ist.
Beispiele:
- NdFeB (Neodym): hohe Energiedichte, aber temperaturempfindlich
- SmCo (Samarium-Kobalt): geringere maximale Kraft, aber ausgezeichnete thermische Stabilität bis zu >300 °C
- Ferrit: kostengünstig und stabil, aber begrenzte magnetische Leistung
Darüber hinaus besteht die Gefahr einer Entmagnetisierung durch externe Magnetfelder oder entgegengesetzte Magnetkräfte in Motoren und Aktuatoren.
Technische Empfehlung
- Wählen Sie nicht nur nach maximaler Kraft, sondern auch nach Koerzitivfeldstärke (Hc, Hcj) aus.
- Berücksichtigen Sie Spitzentemperaturen, nicht nur Nennwerte.
- Analysieren Sie Gegenfelder in elektromagnetischen Systemen.
Falsche Materialauswahl in korrosiven oder feuchten Umgebungen
Neodym-Magnete sind sehr anfällig für Korrosion. Ohne Schutz kann Feuchtigkeit eindringen, was zu Oxidation, Volumenausdehnung und letztendlich zu mechanischen Schäden führt.
Häufig verwendete Beschichtungen sind:
- Nickel-Kupfer-Nickel (NiCuNi)
- Epoxidharz
- Parylen
- Mechanische Kapselung aus Edelstahl, Kunststoff oder Stahl
Die richtige Wahl hängt von der chemischen Belastung, der Abnutzung, den Sauberkeitsanforderungen und der erwarteten Lebensdauer ab.
Technische Empfehlung
- Analysieren Sie die chemische Umgebung (Salze, Öle, Reinigungsmittel).
- Erwägen Sie die Kapselung für kritische Anwendungen.
- Beschichtungen unter beschleunigten Alterungsbedingungen testen
Unterschätzung von Form, Magnetisierungsrichtung und Montage
Die magnetische Leistung wird stark beeinflusst durch:
- Geometrie (Ring, Scheibe, Segment, Block)
- Magnetisierungsrichtung (axial, diametral, multipol)
- Wechselwirkung mit ferromagnetischen Komponenten
Eine schlecht gewählte Form oder Magnetisierungsrichtung kann zu Flusslecks, ungleichmäßigen Kräften oder unerwünschten magnetischen Wechselwirkungen mit umgebenden Komponenten führen.
Technische Empfehlung
- Entwerfen Sie Magnete als Teil der gesamten mechanischen Baugruppe.
- Optimieren Sie die Flussführung mithilfe von Polstücken oder weichmagnetischen Materialien.
- Vermeiden Sie Standardlösungen, wenn kundenspezifische Baugruppen eine bessere Leistung bieten.
Unterschätzung der mechanischen Empfindlichkeit und Lebensdauer
Hochleistungs-Dauermagnete sind oft spröde und stoßempfindlich. Neodym- und Samarium-Kobalt-Magnete weisen eine hohe Härte, aber eine geringe Zähigkeit auf. Ohne geeignete mechanische Befestigung kann es zu Rissen oder Absplitterungen kommen, was zu Funktionsausfällen oder Sicherheitsrisiken führen kann.
Technische Empfehlung
- Entwerfen Sie Magnete immer so, dass sie spannungsfrei sind.
- Vermeiden Sie direkte Stoßbelastungen.
- Magnete in Baugruppen mit struktureller Unterstützung integrieren
Von der Komponente zur technischen Lösung
All diesen Fehlern ist gemeinsam, dass Magnete zu oft als eigenständige Komponenten behandelt werden. In Wirklichkeit funktionieren sie als Teil eines physikalischen Systems, in dem Mechanik, thermisches Verhalten und Magnetismus zusammenwirken.
Bei Bakker Magnetics unterstützen wir unsere Kunden mit:
- Entwicklung kundenspezifischer Magnetbaugruppen mit PM
- Beratung auf Material- und Systemebene
- Magnetische Simulationen
- Entwicklung von Prototypen und Validierungstests
Durch die frühzeitige Einbindung von Magneten in den Konstruktionsprozess erzielen unsere Kunden eine höhere Zuverlässigkeit, niedrigere Gesamtbetriebskosten und eine vorhersehbare Leistung über die gesamte Lebensdauer ihrer Systeme.


